Sprechen bei telc Deutsch B1: drei Gespräche zu zweit
Die mündliche Prüfung bei telc B1 ist von Anfang bis Ende ein Gespräch mit deiner Partnerin oder deinem Partner: kennenlernen, Meinungen austauschen, gemeinsam planen. Wer allein vor sich hin redet, verschenkt hier Punkte.
Der Ablauf
Ihr seid zu zweit, vor zwei lizenzierten Prüfenden. Vorher habt ihr 20 Minuten Vorbereitungszeit mit allen Aufgabenblättern. Notizen darfst du machen — aber nur auf den gestempelten Blättern des Prüfungszentrums, nicht auf den Aufgabenblättern —, und in der Prüfung solltest du nicht von ihnen ablesen. Die Prüfung selbst dauert etwa 15 Minuten.
| Teil | Aufgabe | Dauer | Punkte |
|---|---|---|---|
| 1 | Einander kennenlernen | ca. 3 Min. | 15 |
| 2 | Über ein Thema sprechen | ca. 6 Min. | 30 |
| 3 | Gemeinsam etwas planen | ca. 6 Min. | 30 |
Die drei Teile werden unabhängig voneinander bewertet. Insgesamt sind 75 Punkte möglich; bestanden ist die mündliche Prüfung mit 45 Punkten (60 Prozent) — und das unabhängig vom Ergebnis der schriftlichen Prüfung.
Teil 1: Einander kennenlernen
Ihr stellt euch einander vor und stellt euch gegenseitig Fragen. Auf dem Aufgabenblatt stehen Stichpunkte zur Orientierung — Herkunft, Wohnort, Familie, Beruf, Freizeit, Sprachen —, ihr dürft aber auch über anderes sprechen, und die Prüfenden können ein weiteres Thema ansprechen.
Wichtig ist das Wort einander: Es geht nicht um zwei Kurzvorträge über sich selbst, sondern um ein Gespräch.
- Woher kommst du eigentlich? — Aus Porto. Und du? Du hast vorhin erzählt, dass du in einer Klinik arbeitest — was machst du da genau?
- Das klingt spannend. Wie bist du zu diesem Beruf gekommen?
Teil 2: Über ein Thema sprechen
Ihr bekommt unterschiedliche Aufgabenblätter mit Meinungen zum selben Thema — meistens gegensätzlichen. Zuerst erzählt ihr einander, was auf eurem Blatt steht. Dann diskutiert ihr: über eigene Erfahrungen und über eure Meinung.
Beispiel (selbst geschrieben, im Format der Prüfung)
Thema: Sollen Kinder schon in der Grundschule ein Smartphone haben?
Blatt A — Sandra, 41: „Mein Sohn fährt allein mit dem Bus zur Schule. Mit dem Handy kann er mich jederzeit erreichen. Das gibt mir Sicherheit.“
Blatt B — Herr Wagner, Lehrer: „Kinder mit Smartphone spielen in der Pause nicht mehr miteinander. Zehn Jahre sind einfach zu früh.“
So könnte es beginnen:
A: Auf meinem Blatt steht die Meinung von Sandra. Sie findet ein Handy für Kinder gut, weil ihr Sohn allein mit dem Bus fährt und sie ihn so immer erreichen kann.
B: Bei mir ist es genau umgekehrt. Ein Lehrer, Herr Wagner, meint, dass Kinder mit Smartphone in der Pause nicht mehr zusammen spielen. Er findet zehn Jahre zu früh.
A: Und wie siehst du das? Hast du selbst Kinder?
B: Ja, eine Tochter. Sie hat erst mit zwölf ein Handy bekommen, und ehrlich gesagt bin ich froh darüber …
| wofür | Redemittel |
|---|---|
| das eigene Blatt wiedergeben | Auf meinem Blatt steht, dass … / Die Person meint, dass … / Sie ist dafür/dagegen, weil … |
| nach der Meinung fragen | Wie siehst du das? / Was denkst du darüber? / Hast du damit Erfahrungen gemacht? |
| eigene Erfahrung | Bei mir war das so: … / Ich habe erlebt, dass … |
| zustimmen, widersprechen | Da hast du recht. / Das sehe ich anders, denn … / Einerseits …, andererseits … |
Teil 3: Gemeinsam etwas planen
Ihr sollt zusammen ein Vorhaben organisieren — eine Feier, einen Ausflug, ein Fest im Kurs. Bringt eigene Ideen ein, reagiert auf die Vorschläge der anderen Person und klärt am Ende, was zu tun ist und wer welche Aufgabe übernimmt.
Beispiel (selbst geschrieben)
Ihr Deutschkurs endet in zwei Wochen. Sie möchten zusammen mit Ihrem Gesprächspartner/Ihrer Gesprächspartnerin ein Abschlusspicknick organisieren. Überlegen Sie: Wann und wo? Was gibt es zu essen? Wer bringt was mit? Was machen Sie bei Regen?
- Wie wäre es mit dem Samstag nach dem letzten Kurstag? Dann haben alle Zeit.
- Gute Idee. Und wenn es regnet, könnten wir in den Kursraum gehen — ich frage die Schule.
- Super, dann übernimmst du das. Ich schreibe allen eine Nachricht, wer was mitbringt.
Der letzte Satz ist kein Zufall: Die Aufgabe verlangt, dass ihr die Aufgaben verteilt. Ein Plan, bei dem am Ende niemand etwas übernimmt, ist nicht fertig.
So wird bewertet
Jeder Teil wird nach vier Kriterien bewertet:
- Ausdrucksfähigkeit — passende Ausdrucksweise, Wortschatz, ob du sagen kannst, was du willst.
- Aufgabenbewältigung — wie du dich am Gespräch beteiligst, wie flüssig du sprichst und wie du dir hilfst, wenn dir ein Wort fehlt.
- Formale Richtigkeit — Satzbau und Formen.
- Aussprache und Intonation — wie verständlich du bist. Dieses Kriterium wiegt etwas weniger als die anderen drei.
Typische Fehler
In Teil 1 nur über sich selbst sprechen und keine Fragen stellen.
In Teil 2 das eigene Blatt vorlesen, statt es mit eigenen Worten wiederzugeben.
In Teil 3 nur Ideen sammeln, ohne sich zu einigen und die Aufgaben zu verteilen.
Auswendig gelernte Sätze aufsagen: Prüfende erkennen das — und ein Gespräch entsteht so nicht.
Wenn dir ein Wort fehlt
Umschreiben ist erlaubt und wird sogar positiv bewertet: Wie sagt man … — das Ding, mit dem man … Schweigen dagegen kostet Flüssigkeit. Ein Moment, wie sagt man das … ist besser als eine lange Pause.
Und mit Rilke?
Allein lässt sich ein Gespräch zu zweit schwer üben. In der Rilke-App übernimmt die App die Rolle der Gesprächspartnerin, und du wirst nach den Kriterien von telc bewertet. Wie die schriftlichen Teile von telc B1 aufgebaut sind, steht auf der Seite zu telc Deutsch B1 und im Artikel zum Schreiben bei telc B1.