Sprechen B1 bei Goethe und ÖSD: planen, präsentieren, reagieren
Die mündliche Prüfung dauert nur etwa 15 Minuten — zu zweit, nach 15 Minuten Vorbereitung. Wer weiß, was in jedem Teil verlangt wird, kann fast alles davon vorher üben.
Der Ablauf auf einen Blick
Das Zertifikat B1 haben das Goethe-Institut, das ÖSD und die Universität Freiburg gemeinsam entwickelt. Die mündliche Prüfung ist deshalb bei Goethe und ÖSD gleich aufgebaut: Ihr seid zu zweit, vor zwei Prüfenden, und habt vorher 15 Minuten Vorbereitungszeit. Notizen sind zu jeder Aufgabe erlaubt — nur ablesen solltest du die Präsentation nicht.
| Teil | Aufgabe | Dauer | worum es geht |
|---|---|---|---|
| 1 | Gemeinsam etwas planen | ca. 3 Min. | zu zweit eine Aktivität planen, mit vier Leitpunkten |
| 2 | Ein Thema präsentieren | ca. 3 Min. | allein, ein Thema aus zwei, mit fünf vorgegebenen Folien |
| 3 | Über ein Thema sprechen | ca. 2 Min. | Rückmeldung und Frage zur Präsentation der anderen Person, Fragen zur eigenen beantworten |
Teil 1: Gemeinsam etwas planen
Ihr bekommt eine Situation und vier Leitpunkte. Die Aufgabe ist ein echtes Gespräch: Vorschläge machen, auf die Vorschläge der anderen Person reagieren und euch am Ende einigen. Bewertet wird hier ausdrücklich auch die Interaktion — zwei Monologe nacheinander erfüllen die Aufgabe nicht.
Beispiel (selbst geschrieben, im Format der Prüfung)
Eine Kollegin, Frau Lorenz, geht nach 25 Jahren in Rente. Sie möchten mit Ihrem Gesprächspartner/Ihrer Gesprächspartnerin eine kleine Abschiedsfeier im Büro organisieren.
- Wann soll die Feier stattfinden?
- Was gibt es zu essen und zu trinken?
- Welches Geschenk?
- Wer hält eine kurze Rede?
So könnte der Anfang klingen:
A: Wollen wir zuerst über den Termin sprechen? Ich würde den letzten Arbeitstag vorschlagen, also Freitag, gleich nach der Mittagspause.
B: Gute Idee, aber am Freitag sind viele schon um zwei weg. Wie wäre es mit Donnerstag, so um vier?
A: Stimmt, daran habe ich nicht gedacht. Donnerstag um vier passt. Und was machen wir mit dem Essen?
B: Wir könnten Kuchen bestellen. Oder jeder bringt etwas mit — das ist persönlicher.
A: Das finde ich schön. Dann schreibe ich eine Liste, damit nicht alle Nudelsalat mitbringen.
Was dieses Gespräch gut macht: Es gibt Vorschläge (Ich würde … vorschlagen, Wir könnten …), Reaktionen mit Begründung (Gute Idee, aber …), ein Nachgeben (Stimmt, daran habe ich nicht gedacht) und eine Entscheidung — und dann geht es weiter zum nächsten Punkt.
| wofür | Redemittel |
|---|---|
| vorschlagen | Ich würde vorschlagen, dass … / Wir könnten … / Wie wäre es mit …? / Was hältst du von …? |
| zustimmen | Gute Idee! / Einverstanden. / Das finde ich auch. / Genau so machen wir es. |
| widersprechen | Ich weiß nicht, ob das gut ist, weil … / Das ist eine Idee, aber … / Ich sehe das ein bisschen anders. |
| einen Kompromiss finden | Und wenn wir … ? / Vielleicht können wir beides machen: … |
| zum nächsten Punkt | Gut, dann haben wir den Termin. Jetzt noch … / Was machen wir mit …? |
Drei Dinge, die Punkte bringen
Sprich alle vier Punkte an — auch wenn ihr nicht bei jedem lange bleibt. Frag nach, wenn deine Partnerin schweigt: Was meinst du? Und einigt euch: Ein Gespräch, das bei jedem Punkt offen endet, wirkt unfertig.
Teil 2: Ein Thema präsentieren
Du wählst eines von zwei Themen und präsentierst es etwa drei Minuten lang allein. Die Aufgabe gibt dir fünf Folien vor, und genau an ihnen misst sich, wie vollständig deine Präsentation ist: Alle fünf vollständig behandelt — volle Punktzahl bei der Erfüllung; jede ausgelassene Folie kostet.
| Folie | was hineingehört | Redemittel |
|---|---|---|
| 1 | das Thema vorstellen und sagen, wie die Präsentation aufgebaut ist | In meiner Präsentation geht es um … / Zuerst erzähle ich …, dann … und zum Schluss … |
| 2 | eine eigene Erfahrung oder Situation | Ich selbst habe … erlebt. / Bei mir ist es so, dass … |
| 3 | die Situation in deinem Heimatland, mit Beispielen | In meinem Heimatland ist das anders/ähnlich: … / Zum Beispiel … |
| 4 | Vor- und Nachteile, deine Meinung, Beispiele | Ein Vorteil ist, dass … Ein Nachteil ist … / Meiner Meinung nach … |
| 5 | Abschluss und Dank | Zum Schluss möchte ich sagen, dass … / Vielen Dank fürs Zuhören! |
In der Vorbereitungszeit notierst du zu jeder Folie Stichwörter, keine Sätze. Wer ganze Sätze aufschreibt, liest sie am Ende vor — und das merken die Prüfenden sofort.
Beispiel für Notizen (Thema: „Sollte man im Urlaub für die Arbeit erreichbar sein?“)
- Thema + Aufbau: Erfahrung → Heimatland → Pro/Contra → Schluss
- letzter Urlaub: Chef ruft an, Problem mit Kunden → Stress, aber schnell gelöst
- Heimatland: viele kleine Firmen → Chef = Familie, immer erreichbar; Beispiel Onkel
- pro: Probleme schnell lösen, weniger Arbeit danach · contra: keine Erholung, Familie ärgert sich · Meinung: nur im Notfall, feste Zeit (z. B. 10 Min. am Abend)
- Danke, Frage an euch: Wie macht ihr das?
Teil 3: Über ein Thema sprechen
Nach der Präsentation deiner Partnerin gibst du eine kurze Rückmeldung — was dir gefallen hat, was neu oder interessant war — und stellst eine Frage dazu. Nach deiner eigenen Präsentation beantwortest du die Frage deiner Partnerin und eine Frage der Prüfenden.
- Rückmeldung: Danke für deine Präsentation. Besonders interessant fand ich, dass … / Das wusste ich noch nicht.
- Frage: Du hast gesagt, dass … — wie ist das bei dir persönlich? / Glaubst du, dass sich das in Zukunft ändert?
- Antwort: Gute Frage. Ich denke, … / Da bin ich mir nicht ganz sicher, aber …
Dieser Teil ist kurz, aber er zählt eigenständig. Eine echte Frage — keine, deren Antwort schon in der Präsentation stand — zeigt, dass du zugehört hast.
So wird bewertet
Für jeden Teil bewerten die Prüfenden die Erfüllung der Aufgabe. In Teil 1 kommt die Interaktion dazu, in Teil 2 die Kohärenz — ob deine Präsentation einen nachvollziehbaren Aufbau hat. In den Teilen 1 und 2 zählen außerdem Wortschatz und Strukturen, jeweils danach, wie breit und wie sicher du sie einsetzt. Über die ganze Prüfung hinweg wird die Aussprache bewertet: Satzmelodie, Wortakzent, einzelne Laute.
Das Modul Sprechen ergibt höchstens 100 Punkte; bestanden hast du es mit 60 Punkten. Fehler kosten vor allem dann, wenn sie das Verständnis stören — ein flüssiges Gespräch mit kleinen Fehlern ist mehr wert als ein stockendes, fehlerfreies.
Typische Fehler
Die Präsentation vom Blatt ablesen oder auswendig aufsagen.
In Teil 1 nur die eigenen Ideen vortragen und nicht auf die Partnerin eingehen.
Eine Folie auslassen, meist Folie 3 (Heimatland) oder Folie 5 (Abschluss).
In Teil 3 keine Frage stellen — oder eine, die schon beantwortet wurde.
Und mit Rilke?
Eine mündliche Prüfung zu zweit lässt sich allein schlecht üben. In der Rilke-App übernimmt die App die Rolle der Gesprächspartnerin: Du planst mit ihr, präsentierst und bekommst eine Bewertung nach denselben Kriterien. Sprechtempo, Pausen und Füllwörter misst dein Gerät selbst. Wie die anderen Prüfungsteile von B1 aufgebaut sind, steht auf der Seite zum Goethe-Zertifikat B1.