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Wechselpräpositionen: Akkusativ oder Dativ?

An, auf, hinter, in, neben, über, unter, vor, zwischen — neun kleine Wörter, die in jeder Prüfung vorkommen. Mit einer einzigen Frage findest du fast immer den richtigen Fall.

Aktualisiert am 16. Oktober 2026 · 6 Min. Lesezeit · Rilke-Redaktion

Die Regel in einem Satz

Nach einer Wechselpräposition steht der Akkusativ, wenn sich etwas auf ein Ziel zu bewegt — Frage: Wohin? Der Dativ steht, wenn etwas an einem Ort ist oder sich innerhalb dieses Ortes bewegt — Frage: Wo?

FrageFallBeispiel
Wohin?AkkusativIch hänge das Bild an die Wand.
Wo?DativDas Bild hängt an der Wand.

Das ist schon fast alles. Der Rest dieses Artikels zeigt, wo die Regel trotzdem Fallen stellt.

Die neun Wechselpräpositionen

Es sind genau diese neun. Lerne sie als Gruppe — viele Lernende merken sich den Rhythmus „an, auf, hinter, in, neben, über, unter, vor, zwischen“.

PräpositionWohin? (Akkusativ)Wo? (Dativ)
anWir fahren an den See.Wir sind am See.
aufLeg das Handy auf den Tisch.Das Handy liegt auf dem Tisch.
hinterDie Katze läuft hinter das Sofa.Die Katze schläft hinter dem Sofa.
inWir ziehen in die Stadt.Wir wohnen in der Stadt.
nebenStell den Stuhl neben das Fenster.Der Stuhl steht neben dem Fenster.
überIch hänge die Lampe über den Tisch.Die Lampe hängt über dem Tisch.
unterDer Hund kriecht unter das Bett.Der Hund liegt unter dem Bett.
vorEr stellt das Fahrrad vor das Haus.Das Fahrrad steht vor dem Haus.
zwischenIch stelle die Vase zwischen die Bücher.Die Vase steht zwischen den Büchern.

Nicht verwechseln

Andere Präpositionen haben immer denselben Fall, egal ob Bewegung oder nicht. Immer Dativ: aus, bei, mit, nach, seit, von, zu — Ich gehe zum Arzt, obwohl das eine Bewegung ist. Immer Akkusativ: durch, für, gegen, ohne, um.

Die Verbpaare: legen oder liegen?

Am leichtesten erkennst du den Fall am Verb. Für Bewegung und Position gibt es eigene Verbpaare:

Bewegung: Wohin? + AkkusativPosition: Wo? + Dativ
legen (legte, hat gelegt)liegen (lag, hat gelegen)
stellen (stellte, hat gestellt)stehen (stand, hat gestanden)
setzen (setzte, hat gesetzt)sitzen (saß, hat gesessen)
hängen (hängte, hat gehängt)hängen (hing, hat gehangen)

Die Verben links sind regelmäßig und brauchen ein Objekt: Ich lege das Buch auf den Tisch. Die Verben rechts sind unregelmäßig und beschreiben einen Zustand: Das Buch liegt auf dem Tisch. Wer das Verbpaar kennt, muss über den Fall kaum noch nachdenken.

Tipp für Österreich und Süddeutschland

Dort bildet man das Perfekt von liegen, stehen und sitzen mit sein: „Ich bin lange gesessen.“ Das ist dort Standardsprache und in der ÖSD-Prüfung genauso richtig wie „Ich habe lange gesessen.“

Bewegung ist nicht gleich Bewegung

Die Frage lautet nicht „Bewegt sich etwas?“, sondern „Gibt es ein Ziel?“. Wer sich innerhalb eines Ortes bewegt, bekommt den Dativ:

Auch Verben wie ankommen, warten oder halten beschreiben keinen Weg, sondern einen Ort: Wir kommen am Bahnhof an. Der Bus hält vor dem Rathaus.

Zeitangaben: immer Dativ

Wenn an, in oder vor eine Zeit angeben, steht immer der Dativ: am Montag, im Mai, in der Nacht, vor drei Jahren, vor dem Essen. Hier gibt es keine Bewegung und kein Ziel — also auch keinen Akkusativ.

Kurzformen: am, im, ans, ins

Präposition und Artikel verschmelzen oft. In der Prüfung sind die Kurzformen der Normalfall:

Ich gehe ins Kino klingt natürlich, Ich gehe in das Kino nur dann, wenn du ein bestimmtes Kino betonen willst.

Wenn die Frage nicht hilft: feste Verbindungen

Bei Verben mit fester Präposition ist der Fall Teil der Vokabel und hat mit Wo und Wohin nichts zu tun: denken an + Akkusativ (Ich denke an dich), warten auf + Akkusativ (Ich warte auf den Bus), teilnehmen an + Dativ (Ich nehme am Kurs teil), Angst haben vor + Dativ (Sie hat Angst vor der Prüfung). Diese Verbindungen lernst du am besten mit einem Beispielsatz, nicht als Regel.

Typische Fehler in der Prüfung

Ich habe das Buch auf dem Tisch gelegt. → Ich habe das Buch auf den Tisch gelegt. (legen = Wohin?)

Das Buch liegt auf den Tisch. → Das Buch liegt auf dem Tisch. (liegen = Wo?)

Ich wohne in die Stadt. → Ich wohne in der Stadt.

Am Wochenende fahre ich am Meer. → Am Wochenende fahre ich ans Meer. (Ziel → Akkusativ: ans = an das. Übrigens: man fährt ans Meer, aber in die Berge.)

Übung: Akkusativ oder Dativ?

Ergänze den passenden Artikel oder die Kurzform (ans, im …). Die Lösung steht darunter.

Übung

  1. Ich stelle die Blumen auf ___ Tisch. (der Tisch)
  2. Die Schlüssel liegen in ___ Tasche. (die Tasche)
  3. Wir hängen das Foto über ___ Sofa. (das Sofa)
  4. Der Bus hält direkt vor ___ Bahnhof. (der Bahnhof)
  5. Am Wochenende fahren wir an ___ Meer. (das Meer)
  6. Die Apotheke liegt zwischen ___ Bank und ___ Supermarkt. (die Bank, der Supermarkt)
  7. Setz dich bitte neben ___ Großmutter! (die Großmutter)
  8. Die Katze schläft am liebsten unter ___ Bett. (das Bett)
Lösung anzeigen
  1. auf den Tisch — stellen: Wohin?
  2. in der Tasche — liegen: Wo?
  3. über das Sofa — hängen, hängte: Wohin?
  4. vor dem Bahnhof — halten: Wo?
  5. ans Meer — an das; fahren mit Ziel: Wohin?
  6. zwischen der Bank und dem Supermarkt — liegen: Wo?
  7. neben die Großmutter — sich setzen: Wohin?
  8. unter dem Bett — schlafen: Wo?

Und in der Prüfung?

Wechselpräpositionen tauchen überall auf: im Schreiben, wenn du einen Treffpunkt vorschlägst (Treffen wir uns vor dem Kino?), im Sprechen, wenn du ein Bild oder eine Wohnung beschreibst, und ab B1 in den Sprachbausteinen der telc-Prüfungen. Ein falscher Artikel kostet selten einen ganzen Punkt — aber zehn falsche Artikel ziehen die Bewertung der sprachlichen Richtigkeit spürbar nach unten.

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